STIMMEN FÜR MESUSA

Dr. Elio Adler (Vorsitzender d. WerteInitiative – jüdisch-deutsche Positionen e.V.)

„Das Projekt Mesusa ist wichtig und von vielfältiger Bedeutung. Es verhindert Geschichtsklitterung und benennt Unrecht als Unrecht. Es zeigt an wievielen Orten sich jüdische Deutsche zu Hause und verwurzelt gefühlt haben und lässt das Ausmaß ahnen, in dem sie aus dieser Sicherheit entrissen wurden. Für Familien, die in der Nazizeit Entwurzelung und Vernichtung erfahren haben, kann so ein räumlicher Bezugspunkt zu ihrer Familiengeschichte entstehen. Und so wie jeder Mensch, der einen Menschen verloren hat, gerne das Grab des Toten besuchen können möchte, dort einen räumlichen Bezug herstellen kann, können auch diese Familien an den Lebenspunkten, Lebensorten ihrer Vorfahren, einen solchen räumlichen Bezug zu ihnen herstellen. Damit hilft dieses Projekt Mesusa eine Verbindung von der Vergangenheit in das Hier und Jetzt herzustellen.“

Edwin Baumgartner (Autor)

„Am Anfang nahezu jeden Verbrechens steht der Vorsatz, einem anderen etwas wegzunehmen. Die Nationalsozialisten haben das mit Konsequenz ins Extrem geführt: Erst haben sie den Juden ihre Rechte genommen, dann ihre Häuser, ihre Wertgegenstände und ihr Geld und schließlich ihre Freiheit und ihr Leben. Im Sinn einer Aufarbeitung der Geschichte und des Eingeständnisses der Verbrechen, die im Nationalsozialismus geschehen sind, ist es daher notwendig, nicht nur an die Vergehen gegen Leib und Leben zu erinnern, sondern auch an den Raubzug zu erinnern, der unter dem Schlagwort der Arisierung durchgeführt wurde. Das Projekt Mesusot ist ein wesentlicher Beitrag auf diesem Gebiet, dessen Aufarbeitung bis heute nahezu vollständig gemieden wird.“

Volker Beck

„Der Raub des Eigentums jüdischer Bürger im Rahmen der sogenannten Arisierung gehört zu den verdrängten Kapiteln unserer Vergangenheit. Viele nichtjüdischen Deutschen bereicherten sich daran genauso wie der deutsche Staat. Die Restitutionspraxis nach dem Krieg war unzureichend, die Zwangssituation für jüdische Bürger, ihr Vermögen unter Preis zu veräußern, wurde von den Behörden und Gerichten allzu oft geleugnet. Es ist wichtig, diesen antisemitschen Raubzug zu erinnern. Er ging der Shoah voraus.“

Gerd Buurmann (Schauspieler und Blogger)

„Endlich ein Projekt, das an zerstörtes und vernichtetes jüdisches Leben erinnert und dabei ein jüdisches Symbol des Lebens benutzt, die Mesusa. Jetzt findet Erinnerung in Deutschland nicht mehr nur unter schmutzigen Schuhen statt, sondern auf Augenhöhe. Und endlich erfahren wir auch, wer die Täter waren. Warum stehen eigentlich deren Namen nicht auf den Stolpersteinen? Würden sich die Nachfahren dieser Deutschen vielleicht dagegen wehren, dass auf den Namen ihrer Großeltern herumgetrampelt wird? Mit Mesusa wird eine längst überfällige Debatte angestoßen. Wer entscheidet, wie an Opfer gedacht wird? Welcher Bilder bedient man sich dabei? Wie beeinflusst das Gedenken an jüdische Opfer das heutige Bild von Juden? Wie konnte die Aktion „Stolpersteine“ eines nicht-jüdischen Künstlers zu einer der wichtigsten Gedenkstätten werden? Warum wurden gerade von diesem Künstler, unter dessen Vorfahren die Täter waren, die Täter im Erinnern geschont? Mit Mesusa erleben wir eine Emanzipation im Gedenken. Das jüdische Leben ist zurück in Deutschland und die neue Generation entscheidet selbst, wie sie ihrer Vorfahren gedenkt.“

Yorai Feinberg (Restaurantbesitzer „Restaurant Feinberg’s“)

„Zwei in Deutschland sehr verbreitete und akzeptierte Aussagen sind: 1. Deutschland gibt dem Staat Israel (den Juden) zu viel Geld. Der Staat Israel würde auf Kosten des deutschen Staates leben. 2. Zu Hitlers Zeiten war auch nicht alles schlecht, man denke doch an die Autobahn, die florierende Wirtschaft und so weiter. Ein anständiger Mensch, der über den Holocaust und das unglaubliche Ausmaß der „Arisierung“ Bescheid weiss, dürfte solche Aussagen niemals treffen! Es muss verhindert werden, dass sich Antisemitismus weiter verbreitet. Aussagen wie oben benannt, müssen von der Gesellschaft geächtet werden. Als Weltmeister für Entschädigungsklagen für Kleinigkeiten, wie beschädigte Kennzeichen bei Parkremplern oder Ästen, die auf Nachbars Grundstück gefallen sind, klagen sich genau diese Menschen bis auf den letzten Cent in die letzte Instanz. Es ist leider unmöglich, das genaue Ausmaß der „Arisierung“ aufzuklären, da viele Beweisstücke durch den Krieg zerstört worden oder über die Jahre verloren gegangen sind. Das Projekt ‚Mesusa‘ kann einen Teil des Ganzen wieder aufdecken. Den Wert von geraubter Kunst wird man beispielsweise nie mehr vollständig dokumentieren können. Wenn man über Aufklärung spricht, empfehle ich ‚Mesusa‘ als Pflichtprojekt!“

Malca Goldstein-Wolf (Pro-jüdische Aktivistin)

„Die Enteignung jüdischen Eigentums ist bis zum heutigen Tage in großen Teilen unaufgeklärt. Der Verlust der Vertreibung, des Raubes und der Entwurzelung kann nie wieder gutgemacht werden, allerdings ist eine lückenlose Aufklärung der Geschichte ein Mindestmaß an „Wiedergutmachung“. Die Opfer des Nationalsozialismus haben Antworten auf all ihre Fragen verdient. Mesusa ist ein wertvolles Projekt, das unsere Unterstützung verdient.“

Michael Grauss (Direktor Deutschland Israel Bonds Development Company for Israel (International) Ltd.)

„Sobald es keine Zeitzeugen mehr gibt, werden nur noch Projekte wie Mesusa an dieses Unrecht erinnern.“

Dr. Rafael Korenzecher (Herausgeber Jüdische Rundschau und Evrejskaja Panorama)

„Unter der Nazi-Herrschaft sind allein in Berlin viele Tausende Immobilien und Unternehmen den jüdischen Eigentümern widerrechtlich weggenommen und „arisiert“ worden. Diese „Arisierungen“ sind bis heute zum großen Teil unsichtbar und in vielen Fällen auch unentschädigt geblieben. Unterstützung und Erfolg verdient das neue Projekt Mesusa, das sich zur Aufgabe gemacht hat, genau dies sichtbar zu machen und die „Lücke des Vergessens“ zu füllen.“

Markus Löning (Beauftragter der Bundesregierung für Menschenrechtspolitik und Humanitäre Hilfe a.D., Unternehmer)

„Mesusa“ ist ein herausragendes, ganz besonderes Projekt. Ich halte es für eine wunderbare Art einzelne Menschen wieder sichtbar zu machen und ihre Namen, Gesichter und persönliche Geschichte vor dem Vergessen zu bewahren. Die Verknüpfung der Mesusa mit einer digitalen Datenbank gibt dem Projekt eine Informationstiefe, die über Namensplaketten weit hinausgeht. Lebenszusammenhänge und vergessene Menschen unserer Stadt werden so auf ganz besondere, individuelle Weise geehrt.“

 

Maurice Philip Remy (Autor und Dokumentarfilmer aus München. Zu seinen Arbeiten gehört unter anderem die ZDF-Serie „Holocaust“, die ARD-Serie „Mythos Rommel“)

„Mesusa“ ist wie alles im Leben eine Medaille mit zwei Seiten; auf der einen Seite  wird uns der Digitale Atlas der „Arisierung“ einmal mehr schmerzhaft vor Augen führen, wie vielfältig, einzigartig und weitverbreitet jüdisches Leben vor dem Holocaust in Deutschland war und was somit unwiederbringlich verloren ist; auf der anderen Seite wird durch den Digitalen Atlas aber auch sehr schnell klar werden, wie ungenügend die Rückerstattung der „Arisierung“ nach dem Krieg umgesetzt wurde. An der Bereitschaft, nach 75 Jahren endlich konkrete Gerechtigkeit herzustellen, wird man den Wert der Klagen über den Verlust des jüdischen Lebens messen müssen.

Ben Salomo (Rapper, Buchautor)

„Unrecht bleibt Unrecht! Ob vor 80 Jahren, vor 600 Jahren oder vor 2000 Jahren. Geschichtsvergessenheit ist keine Charaktereigenschaft, die man vom jüdischen Volk erwarten kann, daher bleibt der Kampf gegen das Vergessen, auch im digitalen Zeitalter, ein zentraler Aspekt, in der jüdischen Identität. Das Mesusa Projekt wird dabei einen wertvollen Beitrag leisten.“

Peter Sichrovsky (Autor)

„Als persönlichen Beitrag zu dem wichtigen Projekt MESUSA-Digitaler Atlas zur ‚Arisierung‘ möchte ich an meine Großeltern erinnern: Am 15.9. 2019 wird in Wien, Praterstrasse 41 im Gehsteig vor dem Haus ein Stein eingemauert werden, mit den Namen meiner Großmutter und meiner Tante Ernestine und Agnes Sichrovsky. Am 21.8.1942 werden beide in Maly Trostinec ermordet, nachdem sie sich zwei Jahre lang im Keller des Hauses, wo man sie zuerst aus der Wohnung vertrieb, versteckt hatten und vom Hausmeister an die Polizei verraten wurden. Die Wohnung hat mein Vater nie zurückbekommen.“

Sacha Stawski (Vorsitzender Honestly Concerned e.V. und ILI – I Like Israel e.V.)

„Das Projekt ist sehr begrüßenswert, vor allem die digitale Umsetzung. Mesusa ist eine wichtige Alternative zu den sogenannten „Stolpersteinen.“

Dr. Jürgen Sudhoff (Staatssekretär a.D.)

„Das „Mesusa-Projekt“ als Kampf gegen das Vergessen ist eine lehrreiche digitale Ergänzung der physischen „Stolpersteine“, die in den Bürgersteig vor Häusern eingelassen sind, deren einstige Bewohner Opfer der Verbrechen der Nationalsozialisten wurden. Es geht nicht darum, heutige Eigentümer und Bewohner von Gebäuden, die Generationen von heute und morgen, in eine Verantwortung einzubeziehen für etwas, das in Deutschlands dunkelster Zeit geschah. Es geht darum, auch in der beabsichtigten digitalen Form an unsere jüdischen Mitbürger zu erinnern, die als Deutsche unter Deutschen lebten und denen erst Eigentum und Heim und schließlich ihr Leben genommen wurde.“

Attila Teri (Regisseur)

„Wir erleben eine Zeit, in der wachsender Antisemitismus oder hinter „Israelkritik“ versteckter Hass auf Juden inzwischen wieder zum „guten Ton“ gehört. Und das trotz all den Beteuerungen „Nie wieder“, „Niemals Vergessen“ oder den jährlichen Gedenkfeiern, die an die Opfer der Shoa erinnern sollen. Doch es wird vergessen, verdrängt oder kleingeredet. Laut einer aktuellen Studie aus dem Jahre 2018, wissen 40 Prozent der Deutschen im Alter zwischen 18 und 34 Jahren nach eigener Einschätzung wenig bis nichts über den Holocaust. Die Nachfahren der Opfer der Shoa haben nichts vergessen – im Gegenteil. Dafür sorgt schon die Gegenwart! Durch die massiv wachsende Zahl von antisemitischen Vorfällen und Angriffen, gibt es nicht wenige Juden, die sich inzwischen fragen, wann sie Europa wieder verlassen müssen, bevor es wieder so weit kommt, wie damals.

Um dieser Entwicklung entgegenzuwirken, halte ich die Initiative für eine außergewöhnliche und aussichtsreiche Idee. Denn wie kann man die jüngere Generation besser erreichen, ihr Neugier wecken und vielleicht zum Nachdenken bewegen, als mit den Mitteln und neuen Medien, die sie nutzen. Sie leben von klein auf in der virtuellen Welt, die sich immer mehr mit der realen verschmilzt. Wenn den Gründern es gelingt ihr „Kind“ auf den Weg zu bringen, könnte das ungeahnte Möglichkeiten eröffnen, um die Menschen wieder für das Thema zu sensibilisieren. So kann ich nur hoffen, dass ihr Projekt vom Erfolg gekrönt wird und nicht im Amtsschimmel verschwindet! Mazal tov!“

Erstelle deine Website mit WordPress.com
Jetzt starten
%d Bloggern gefällt das: