PRESSE

Pressemitteilung

Mesusa: Digitaler Atlas der „Arisierung“

Der gemeinnützige Verein Anti Defamation Center (Berlin) startet in Kooperation mit dem Lander Institute for Holocaust Communication and Tolerance am Touro College Berlin die Vorbereitung für das Vorhaben „Mesusa: Digitaler Atlas der ‘Arisierung‘“: als Projekt einer neuen, digitalen Erinnerungskultur.

In der Zeit des Nationalsozialismus wurden hunderttausende Häuser, Wohnungen und Firmen, die sich im Besitz von Juden befanden, systematisch „enteignet“; es war in vielen Fällen staatlich organisierter Raubmord. Wo Entschädigungen gezahlt wurden, waren die Beträge meist lächerlich. Die ehemaligen Eigentümer wurden ins Exil getrieben oder in ‚Konzentrationslagern‘ ermordert.

Dieser Atlas soll erstmalig die geraubten Immobilien und Unternehmen digital, umfassend erfassen und die Besitzer vor, während und nach der „Arisierung“ dokumentieren.

In einer Open Access-Datenbank werden die entsprechenden Inhalte hinterlegt. Ziel ist es, Geschichte aufzuarbeiten und für jeden öffentlich und frei zugänglich zu machen.

Jede ‘arisierte‘ Immobilie – Haus, Wohnung oder Unternehmen – soll eine „Mesusa“ erhalten, die in fünf Sprachen (Deutsch, Englisch, Hebräisch, Arabisch und Türkisch) Auskunft über den beraubten Besitzer gibt.

Zudem werden auch Informationen über etwaige Vorbesitzer und Profiteure der ‘Arisierung‘ angeboten.

Eine „Mesusa“ kennzeichnet traditionell ein jüdisches Gebäude, ein jüdisches Haus oder eine jüdische Wohnung. Sie wird als kleine Tafel erreichbar im oberen Drittel auf der rechten Seite am Eingang montiert.

Ähnlich wie bei den ‚Stolpersteinen‘, ist beabsichtigt, die jeweilige Gedenktafel als symbolische „Mesusa“ öffentlich anzubringen: Einmal im Internet und – wo es möglich ist – einmal am betreffenden Haus auf Augenhöhe.

Wo möglich und vorhanden, werden die Informationen um die Immobilienbesitzer um vertiefende Auskünfte ergänzt. Vorgesehen ist es, Betroffene, Nachkommen und Forscher einzubeziehen.

Eine App soll besonders Jugendliche und Schulen ansprechen. Flankierend soll ein ein multimediales Informationsangebot zur Schoa sowie eine umfängliche Linkliste über die App und Website zur Verfügung gestellt werden.

Erste prominente Stimmen aus Wirtschaft, Kultur, Wissenschaft und Politik unterstützen dieses Vorhaben: Volker Beck, Gerd Buurmann, Mag. Michael Grauss, Dr. Rafael Korenzecher, Markus Löning, Ben Salomo, Peter Sichrovsky, Dr. Jürgen Sudhoff, Sacha Stawski und Attila Teri. Lesen Sie die Statements HIER

Ziel ist es, dass dieser Atlas mit den ersten 100 Mesusot – also dokumentierten „Arisierungen“ mit Schwerpunkt Berlin und Wien – im November 2019 online geht.

„Wir sind überzeugt, dass die deutsche Gesellschaft und Öffentliche Hand hier ihre Verantwortung wahrnehmen und dieses Projekt finanziell möglich machen wird“, zeigt sich Izi Aharon überzeugt. Er ist Vorsitzender des Projektträgers Anti Defamation Center,.

Dekan Prof. Dr. Peter Klein vom Lander Institute for Holocaust Communication and Tolerance: „Als praxisorientierter Studiengang lehren wir nicht nur die Geschichte des Holocaust, sondern vielmehr den kommunikativen Umgang mit diesem Erbe, wofür das Projekt Mesusa ein Beispiel ist.“

Zur Sicherstellung des Projekts wird Anfang September ergänzend eine Crowdfunding-Kampagne gestartet. „Bis zum Beginn werden sicher weitere namhafte Personen des öffentlichen Lebens wie Organisationen dieses Vorhaben unterstützen, was das Crowdfunding tragen wird“, zeigt sich Fundraisingmanager Naftali Neugebauer überzeugt

Er lädt sowohl Organisationen als auch Bürger zur Mitarbeit und zur Unterstützung ein „Es wird eine gemeinsame Anstrengung werden und zeigen, ob sich in Deutschland und Österreich für diesen neuen Weg einer digitalen Erinnerungskultur und Aufarbeitung hinreichend Unterstützung finden lässt.“, so Neugebauer abschließend.

Die Rektorin des Touro College Berlin, Sara Nachama, fasst das Vorhaben wie folgt zusammen: „Das Projekt Mesusa lässt zweierlei entdecken. Einmal das jüdisch geprägte Berlin der 1930er Jahre anhand der Adressen, und zweitens das Ausmaß begangenen Unrechts anhand der Schicksale.“

Interview zum Projekt MESUSA in der JÜDISCHEN ALLGEMEINEN vom 4. Juli 2019

IMG_20190717_121553

 

Erstelle deine Website mit WordPress.com
Jetzt starten
%d Bloggern gefällt das: