MESUSA: Digitaler Atlas zur „Arisierung“ – Neue Wege der Erinnerungskultur

MESUSA soll ein digitaler Atlas zur Sichtbarmachung des jüdischen Erbes werden, mit dem der Antisemitismus der Vergangenheit und Gegenwart sichtbar gemacht wird. Es sollen neue Wege der Erinnerungskultur beschritten werden.

Unter einer MĒSUSA versteht man in der jüdischen Tradition eine gesegnete Türpfosten-Inschrift eines Gebäudes oder einer Wohnung in jüdischem Besitz oder Nutzung. Ab 1938 wurden im nationalsozialistischen Deutschland staatlich organisiert Immobilien und Firmen von Menschen jüdischer Herkunft „zwangsenteignet„.

Dieser im NS-Jargon mit „Arisierung“ bezeichnete, massenhafte und staatlich organisierte Raub(-mord) von Besitz und ihren Besitzern soll nun mit dem „Mesusa“-Forschungsprojekt erfasst und dokumentiert werden.

Es ist geplant, im Einklang mit der jüdischen Tradition, nach und nach jedes „arisierte“ Haus, Wohnung sowie Unternehmen mit einer „Mesusa zu versehen, die Auskunft über den beraubten Besitzer gibt.

„Mesusot“ (Plural von Mesusa) werden – digital und wo möglich haptisch – auf Augenhöhe angebracht. Das Geschehen (“Arisierung“) soll dokumentiert und das Objekt im Einklang mit der jüdischer Tradition markiert werden: Jedes „arisierte“ Haus, Wohnung oder Unternehmen soll eine „Mesusa“ erhalten, die Auskunft über den beraubten Besitzer gibt.

Es wird gerne vom jüdisch-christlichen Erbe gesprochen, das jüdische Erbe ist im Alltag aber weitgehend unsichtbar, kaum bewußt und Juden müssen heute wieder ihre Jüdischkeit und ihr Erbe verstecken.

Gegen dieses Verstecken und Unsichtbar-Machen soll der Öffentliche Raum (sowohl der analoge wie digitale Raum) Markierung erfahren und das gerne beschworene Erbe sichtbarer machen.

Das Judentum ist Teil der deutschen Geschichte. Wird sie öffentlich im Alltag gezeigt, wird es für jeden, auch für jene, die neu in Deutschland sind, sichtbar und nachvollziehbar. Darum soll „Mesusa“ auch neben Deutsch in Hebräisch, Englisch, Arabisch und Türkisch ausgeführt werden.

Weiters soll eine entsprechend aufbereitete App besonders Schüler und Schülerinnen ansprechen, die mit einem umfangreichen Wissensangebot in den genannten fünf Sprachen zur Schoa – versehen mit verschiedensten Medienformaten (Video, Audio) – und einer entsprechenden Linkliste ergänzend ausgestattet werden soll.

Ziel ist es, eine verdrängte bis hin verleugnete Wirklichkeit im Öffentlichen Raum – digital, und wo möglich analog – sichtbar zu machen und an sie zu erinnern, aber auch um historische Grundlagenforschung zu betreiben.

Eine umfassende und systematisch erstellte webbasierte Datenbank mit einer interaktiven, grafisch sehr gut aufbereiteten Oberfläche (GUI) als Webkarte der „arisierten“ Immobilien, Wohnungen und Unternehmen (öffentlich abrufbar, geordnet nach Adressen und Namen, Verzeichnis und mit Geosuche) liegt aktuell nicht vor.

Eine solche webbasierte Karte soll erarbeitet und die Ergebnisse sowohl digital als auch analog sichtbar gemacht werden. Dazu soll eine Gedenktafel (sowohl digital als auch, wo möglich, analog), die einer „Mesusa“ nachempfunden ist, angebracht werden.

Auf dieser Gedenktafel „Mesusa“ findet sich der Name des letzten Besitzers vor der „Arisierung“, der Name des „Ariseurs“ mit Datum der „Arisierung“ und der Name des heutigen Besitzers.

Die „Mesusa“ soll einen QR-Code aufweisen, der dann auf die entsprechenden Informationen vertiefend verlinkt. Auf der Website werden die entsprechenden Links angeboten.

Die Gedenktafeln „Mesusa“ sollen digital und analog (sofern der aktuelle Besitzer einverstanden ist) realisiert werden. Auf der digitalen Ebene soll per Verlinkung immer tiefer gehende Information zur Verfügung gestellt werden.

Schritt für Schritt, „Mesusa“ um „Mesusa“ soll ein „Arisierungsfall“ nach dem anderen Dokumentation und Abbildung finden. Es ist dies keine Aufgabe, die mit einer großen Anstrengung vollständig realisiert werden kann, sondern einen wohl jahrelangen Aufarbeitungsprozess darstellt.

Vorgesehen ist daher ein partizipativer Ansatz, sodass Betroffene Informationen zur Verfügung stellen und ihre „Fälle“ wissenschaftliche Aufarbeitung und Dokumentation erfahren können.

Geplant ist in der ersten Phase der Fokus auf Berlin und Wien. Es sollen dann weitere Städte folgen, wo Juden ihr Hab und Gut durch Mord oder Erpressung oder Vertreibung verloren.

AUSGANGSLAGE und HINTERGRUNDINFORMATIONEN

In Berlin wurden nach verschiedenen Schätzungen ca. 70.000 Immobilien und ca. 50.000 Unternehmen „arisiert“, dies meint im Namen des Nationalsozialismus durch Deutsche und Österreicher geraubt.

Ihre Besitzer kamen um – durch Mord auf offener Straße, im sogenannten „Arbeitslager“ oder im KZ – oder mussten unter erpresster Aufgabe aller Habe flüchten.

Die sogenannten „Arisierungen” von Immobilien und Unternehmen sind heute weitgehend unsichtbar, ihre Opfer wurden nur selten entschädigt. Die Geschichte der Enteignung jüdischen Besitzes und die Vernetzungen hinter diesen Verbrechen sind kaum bewusst wahrnehmbar.

„Sogenannt“ weil dem nationalsozialistischen Rassenwahn zur Katalogisierung von Menschen keine implizite Anerkennung und keine Definitionsmacht eingeräumt werden soll und diese Kategorien keinen objektiven Gehalt aufweisen.

Es sind verbrecherische Wahnideen, die das Leben von Millionen vernichtet und die Welt in den Abgrund der Barbarei gestoßen haben. Die Greuel der Schoa und ihre historische Einmaligkeit brauchen hier nicht weiter ausgeführt werden.

HINTEGRUND MĒSUSA

MĒSUSA ist „…die Bezeichnung für die Türpfosteninschrift, die auf einer in einem Metall- oder Glaszylinder eingeschlossenen Pergamentrolle die beiden Abschnitte Deut. 6,4-9 und Deut. 11,13-21 enthält.“ (Jüdisches Lexikon, Bd. IV/1, S.140, Berlin 1927).

Sie kennzeichnet traditionell ein Gebäude, ein Haus oder eine Wohnung, sei es im Eigentum oder zur Miete, die von Juden genutzt wird. Sie, die  MĒSUSA, wird erreichbar im oberen Drittel auf der rechten Seite am Eingang montiert. Ähnlich wie Stolpersteine, soll die jeweilige Gedenktafel als symbolische „Mesusa“ öffentlich angebracht werden: Einmal im Web und wo möglich einmal am Haus auf Augenhöhe und nicht in das Straßenpflaster versenkt.

Diese „Mesusa“ ist keine halachisch gültige MĒSUSA, denn diese kann je nach Denomination u.a. nur ein beauftragter Rabbiner oder der Eigentümer selbst anbringen unter Verwendung der entsprechenden Segenssprüche sowie der halachisch korrekt beschriebenen Pergamentrolle, die in einem entsprechenden Zylinder oder Kästchen gerollt eingefügt wird. (Mehr dazu > http://www.liberale-juden.de/das-liberale-judentum/leben/alltag/  oder http://www.ordonline.de/).

Die montierte „Mesusa“ ist daher keine MĒSUSA im halachischen Sinne, was wir durch die Schreibweise MĒSUSA für die Benennung einer halachischen MĒSUSA absetzen.

 

PROJEKTTRÄGER

 

Anti-Defamation Center – Bildungswerk für Demokratie und Kultur e.V.

Der Verein Anti-Defamation Center – Bildungswerk für Demokratie und Kultur e.V. ist ein gemeinnütziger Verein und hat seinen Sitz in Berlin. Er fungiert unter anderem als Herausgeber der Deutsch-israelischen Tages-Online-Zeitung HaOlam (www.haolam.de) und ist Veranstalter der jährlich stattfindenden Kundgebung gegen den anti-israelischen Al-Quds-Marsch (Berlin). Web > www.adc-bildungswerk.de

Touro College Berlin

Das Touro College Berlin ist eine gemeinnützige wissenschaftliche Hochschule, die zum Touro College and University Systems in New York gehört. Ihr Leitbild verbindet jüdische und amerikanische Bildungstraditionen in Berlin. Die praxisbezogenen, inhaltlich breit angelegten Studiengänge sowie das Campusleben, die nationale, kulturelle und religiöse Diversität von Lehrenden und Lernenden prägen das College auch als abschließendes Glied einer jüdischen Bildungspyramide in Berlin. Web > www.touroberlin.de

Lander Institute for Holocaust Communication and Tolerance

Das Institut bietet einen in der Bundesrepublik einzigartigen Masterstudiengang Holocaust Communication and Tolerance an. Dieses MA-Programm ist den Studiengängen öffentlicher Universitäten gleichgestellt und staatlich anerkannt. Das anwendungsorientierte Profil vermittelt jüdische Geschichte, die Geschichte des Nationalsozialismus und des Holocaust sowie deren Wirkungsgeschichte bis heute. Die praktische Vermittlung dieses Wissens in die Öffentlichkeit gehört zu den Kernaufgaben des Studiengangs Web > www.touroberlin.de/ma-holocaust-communication-tolerance

Dr. Naftali Neugebauer

Dr. Naftali Neugebauer ist Herausgeber von GLOCALIST: Tages-Online-Zeitung für Innovation (Berlin; www.glocalist.press). Er konzipierte das Projekt „MESUSA“ und dient für dieses Vorhaben als ehrenamtlicher Fundraiser und Projektmanager für den Trägerverein.

 

Für dieses wissenschaftliche Projekt werden noch Unterstützer gesucht. Bei Interesse senden wir Ihnen gerne die Sponsorenunterlagen zu und stellen Ihnen das Projekt gerne bei einem Gespräch näher vor.

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